Was uns unterscheidet

Was uns von „den anderen” Katholiken unterscheidet

Auf den ersten Blick nicht viel. Wer in eine alt-katholische Kirche kommt, entdeckt in ihr alles, was einen katholischen Kirchenraum ausmacht: 

  • Am Eingang kann, wer will, sich mit Wasser an die Taufe erinnern.
  • In den Bänken gibt es die Möglichkeit, sich hinzuknien.
  • Das „ewige Licht” signalisiert die Gegenwart Jesu Christi im übrig gebliebenen Brot des Lebens, das für die Kommunion der Kranken und Sterbenden im Tabernakel aufbewahrt wird.
  • Der Altar bildet die Mitte und macht so deutlich, dass die Feier des Mahles Jesu im Mittelpunkt des Gemeindelebens steht.
  • Im Gottesdienst tragen Bischof, Priester und Diakon die in katholischen Kirchen gewohnte liturgische Kleidung. Sie werden auch in „katholisch üblicher Weise” geweiht. Das gilt übrigens ebenso für Bischöfinnen, Priesterinnen und Diakoninnen.
  • Vom Ablauf her und in der biblischen Leseordnung erscheint der Gottesdienst gleich.
  • Auch die Zahl der Sakramente ist gleich: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Ehe, Weihe, Krankensalbung.
  • Viele Kirchen tragen den Namen einer oder eines Heiligen, in den meisten findet sich auch eine Darstellung Marias, der Mutter Jesu.

Die Unterschiede

Und doch unterscheidet sich „unsere” katholische Kirche von „der anderen” katholischen Kirche. Bei uns 

  • besteht das lokalkirchliche Prinzip der alten Kirche: Der von den Christen eines Bistums (Diözese) gewählte Bischof ist unabhängig von übergeordneten Instanzen. Er ist in seinem Dienst allein Jesus Christus als dem Herrn der Kirche und der Synode als Repräsentanz des Gottesvolkes verantwortlich
  • wird über den Weg der Kirche – nicht über ihren Glauben – gemeinsam entschieden (bischöflich-synodales Prinzip: das heißt, unter der Leitung des Bischofs wirkt das ganze Gottesvolk an der Gestaltung des kirchlichen Lebens mit)
  • haben Männer und Frauen die gleichen Rechte. Insbesondere können Männer und Frauen gleichermaßen zum Dienst als Diakon, Priester und Bischof geweiht werden
  • gelten eine Reihe von Lehrsätzen, wie sie mit dem Katholizismus gewöhnlich verbunden werden, nicht: vor allem die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes und seiner den Ortsbischöfen und Ortskirchen übergeordneten bischöflichen Gewalt, wie sie 1870 vom Ersten Vatikanischen Konzil verkündet wurde; aber auch die Dogmen von der unbefleckten Empfängnis (1864) und der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel (1950)
  • waren, weil wir als selbständige Ortskirche unabhängig sind, verschiedene Reformen möglich, etwa die Abschaffung der Zölibatsverpflichtung für die Geistlichen (1878) oder die Aufhebung einer jährlichen Verpflichtung zum Empfang des Bußsakraments (1874) oder die Rückbesinnung der Eucharistiefeier auf eine unter dem Vorsitz des Bischofs bzw. des Priesters gemeinschaftlich vollzogene Mahlfeier, die – wie in der alten Kirche – als bleibendes Gedächtnis von Tod und Auferstehung, nicht aber als fortwährende Erneuerung des Sühneopfers Jesu Christi verstanden wird (1885)
  • bedeutet „Tradition”, sich mit den Christen aller Zeiten und Orte  verbunden zu wissen und das Wesentliche ihres Glaubens, wie er sich auf dem Fundament der Apostel in den ersten Jahrhunderten nach Christus gebildet hat, im Lichte und unter den Bedingungen unserer Zeit nachzuvollziehen. Richtschnur dabei sind uns: die Heilige Schrift, das Glaubensbekenntnis (das „apostolische” ebenso wie das der Konzilien von Nicäa und Konstantinopel), die allgemein anerkannten Entscheidungen der ökumenischen Konzilien der ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends, die Grundstruktur des Gottesdienstes als Zusammenfassung von Wort- und Eucharistiefeier sowie die drei Ämter von Bischof, Priester und Diakon
  • wird „Ökumene” groß geschrieben, weil Jesus Christus die Einheit der ihm Nachfolgenden will (Joh 17,21). Wir suchen deshalb die Gemeinschaft mit Christen aller Kirchen. Wir arbeiten mit in den großen ökumenischen Organisationen (dem Ökumenischen Rat der Kirchen ÖRK und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen ACK). Wir stehen seit 1931 in voller kirchlicher Gemeinschaft mit der Kirche von England und allen anderen anglikanischen Kirchen. Mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben wir die gegenseitige Einladung zum Abendmahl bzw. zum Kommunionempfang vereinbart (1985). Intensive Gespräche mit den orthodoxen Kirchen haben zur Feststellung weitestgehender Gemeinschaft im Glauben geführt, und seit 2003 besteht auch mit der römisch-katholischen Kirche ein Dialog.

Orientierung an der Praxis der alten Kirche

Katholisch sind wir also in dem Sinne, dass wir uns am Glauben und an der Praxis der alten Kirche orientieren, wobei wir dieses Wort als Wesensbeschreibung der Kirche und nicht als konfessionelle Bezeichnung verstehen (in diesem Sinne sehen sich auch die meisten anderen christlichen Kirchen als katholische Kirchen). 

Unsere Treue zur alten Kirche spiegelt sich in unserem Namen wieder, den wir offiziell seit 1872 führen: Alt-Katholische Kirche – im Unterschied zu der katholischen Kirche, deren Bischöfe sich mit ihren Ortskirchen seit 1870 ausdrücklich der Authorität des Bischofs von Rom unterstellt haben; sie wird deshalb „römisch-katholische Kirche” genannt. 

Mehr zur Entstehung und zum Selbstverständnis der Alt-Katholischen Kirche finden Sie auf der Homepage des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland.

Was ist die altkatholische Kirche? Wann und unter welchen Umständen entstand sie?

Über diese und andere Fragen unterhält sich Wolfgang Severin (Bibel-TV) mit dem Pfarrer der Gemeinde Nordstrand, Georg Reynders (Video, 25 Min.).

Veröffentlicht in am 2. September 2014