Eindrucksvoller Pilgerweg der Firmanden

Pilgerweg_01Rund 90 Kilometer war er lang: Der Pilgerweg, der die Firmanden der Gemeinden Karlsruhe und Stuttgart Ende Juli / Anfang August gemeinsam mit ihren Pfarrern durch die Vogesen geführt hat. Der Einstieg war auf dem Odilienberg, wo die Aussicht zu einer ersten Besinnung veranlasste: Wo komme ich her? Was lasse ich zurück? Was erwarte, erhoffe, befürchte ich? Mit welchem Gepäck breche ich auf? Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhielt ein Pilgertagebuch, in das sie oder er aufkommende Gedanken eintragen konnte. Etwas unterhalb des Odilienbergs befindet sich die legendäre Odilienquelle (Source Saint Odile). Hier konnten sich die jungen Leute Gesicht und Augen benetzen – mit dem Impuls, neu zu sehen: Mich, Gott, mein Leben, meine Pläne – die kommenden Tage laden zu anderen Sichtweisen ein. Danach folgten die ersten 16 Kilometer Wegstrecke, vornehmlich durch Wälder, bis hin nach Le Hohwald.

Sehr vielfältig war die Landschaft der zweiten Etappe, die von Le Hohwald über den Ungersberg nach Châtenois führen sollte – allerdings blieb es beim bloßen Vorsatz, den Ungersberg zu überqueren, nachdem es unterwegs Orientierungsprobleme gegeben und die Gruppe dann einen anderen Weg genommen hatte. Wahrnehmung und Achtsamkeit war das Thema dieser Etappe: Welche Natur, welche Landschaften begegnen mir? Können mir die Landschaften, so wie ich sie wahrnehme, etwas über mein Leben sagen? Erstmals wurde auch ein einstündiges Schweigen eingeübt – kein leichtes Unterfangen, wie sich beim anschließenden Erfahrungsaustausch herausstellte. Aber das konnte an den weiteren Tagen geübt werden; täglich war nun eine Stunde Schweigen vorgesehen, und die dabei aufgekommenen Gedanken konnten hinterher jeweils im Pilgertagebuch notiert werden. Die Anstrengungen vergeblich gelaufener Wegstrecken fanden ihre Belohnung bei einem Picknick, das die wandernden jungen Leute zur Mittagszeit erwartete – liebevoll hergerichtet von der Fahrerin des Begleitfahrzeugs. Insgesamt waren zwei PKW mit im Spiel, von denen einer jeweils für notwendige Einkäufe, Arztbesuche und Vorbereitungen am nächsten Quartier genutzt wurde – und eben für das tägliche Picknick in der Mitte der Wegstrecke. Beim Fahren wechselten sich die drei Begleitpersonen – außer den beiden Pfarrern war auch die Ehefrau des Karlsruher Pfarrers mit von der Partie – jeweils ab.

Die dritte Etappe war identisch mit dem Jakobsweg und führte die Gruppe weitgehend durch die Weinberge zwischen Châtenois und Orbey. Zur geistlichen Betrachtung bot sich hier das Weinstock-Gleichnis aus dem 15. Kapitel des Johannes-Evangeliums an: Was sagt mir das Bild vom Rebe-Sein, um gute Frucht zu bringen? Und was das Bild des Winzers, der die Reben hegt und pflegt, damit sie noch mehr Früchte bringen? Bei herrlichstem Sonnenwetter ging es an einer Reihe alter Winzerorte vorbei: Kintzheim, Orschwiller, Ribeauvillé, Hunawihr, Riquevihr, Kaysersberg. Übernachtet wurde auf einem Bauernhof oberhalb der Stadt Orbey, wo die Gruppe erstmals auch in freier Natur Eucharistie feierte.

Nicht nur landschaftlich wurde die vierte Etappe hart, führte sie doch über den Berg Tête des Faux und zwang zu einigen Hundert Höhenmetern. Auch die Spuren des ersten Weltkriegs, die es überall auf dem Weg gab, darunter zwei Soldatenfriedhöfe, machten die jungen Leute betroffen und konfrontierten sie mit den Themen Gewalt, Krieg und Terror. Geplant war, am Abend dieses Tages eine Lichtvesper zu feiern, doch die Schi-Unterkunft Blancrupt am Lac Blanc liegt in so luftiger Höhe, dass die Kerzen keine Chance gehabt hätten zu brennen. Nach dem beinahe fürstlichen Abendessen – das erste Mal keine Selbstversorgung – stand die Diskussion über das Thema an: Wie wollen wir im November unsere Firmung feiern? Gemeinsam an einem Ort oder jede Gemeinde für sich? Es war eine teilweise harte Auseinandersetzung, bei der die jungen Leute erfahren konnten, wie schwierig es ist, eine Lösung zu finden, der alle einigermaßen zustimmen können. Und diese Lösung heißt nun: Die Firmung wird gemeinsam am Samstag, 12. November 2016, um 15:00 Uhr in der alt-katholischen Kirche Christi Auferstehung in Karlsruhe gefeiert.

Die fünfte und letzte Etappe war ein vergleichsweise kurzer Weg. Sie führte von Blancrupt zum Refuge de Schupferen. Inhaltlich ging es um das Thema Bergerfahrung – Gotteserfahrung – Gipfel und am Abend bei der abschließenden Eucharistiefeier um einen rückblickenden Erfahrungsaustausch. Die über die einzelnen Tage stark gewachsene Gemeinschaft erfuhr im Refuge noch eine besondere Bestätigung: Die Gruppe war in einem einzigen Schlafsaal auf einem Matratzenlager untergebracht.

Veröffentlicht in Neuigkeiten am 4. August 2016| Kommentare deaktiviert | Autor: Joachim Pfützner