Im Blick auf Pfingsten

PfingstnoveneFür die Kirche ist die Zeit zwischen den Festen Christi Himmelfahrt und Pfingsten eine bedeutsame Zeit. Sie wird mit Blick auf ihre Dauer auch “Pfingstnovene” genannt: die neun Tage bis zum Pfingstfest. Die Kirche vergegenwärtigt in diesen neun Tagen, was ganz zu Beginn der Apostelgeschichte, einer vom Evangelisten Lukas verfassten Schrift der Bibel, gleich nach den vier Evangelien, so beschrieben wird:

Beim gemeinsamen Mahl gebot er [der auferstandene Herr, der elf Jüngern, die er zu Aposteln erwählt hatte, erschienen ist] ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden. (…) Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde (Apg 1,4-5.8).

Mit den Elfen (ursprünglich waren es zwölf, doch Judas von Iskariot, der Jesus verraten hat, ist nicht mehr dabei) und übrigens auch “mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu” (Apg 1,13-14) befindet sich die Kirche in diesen Tagen im Wartestand: in der Erwartung, dass sich erfüllen wird, was der auferstandene Herr angekündigt hat. Es ist deshalb eine bedeutsame Zeit, weil die Kirche ohne den Heiligen Geist tatsächlich verwaist wäre, von Jesus alleingelassen. Sie könnte nichts bewirken, und alles, was Jesus zu seinen Lebzeiten gesagt und getan hat, wäre nichts weiter als eine Erinnerung, die mit der Zeit dahinschwinden würde.

Die Kirche braucht – wir brauchen – den Heiligen Geist. Nur so lebt der auferstandene Herr in unserer Mitte. Nur so können wir in seinem Namen tätig sein. Nur so können wir heute seine Zeugen sein. In Erwartung des Heiligen Geistes sind im Laufe der Kirchengeschichte viele sehr bewegende und eindrückliche Lieder entstanden, die nicht nur um das Kommen des Heiligen Geistes bitten, sondern auch zum Ausdruck bringen, was durch ihn alles möglich wird. Eines der ältesten stammt aus der Zeit um 1200, und es lautet so:

Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,

in der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

Veröffentlicht in Allgemein am 11. Mai 2018| Kommentare deaktiviert | Autor: Joachim Pfützner