Taufe ist das Thema der österlichen Bußzeit

AchtsamkeitTaufe ist das Thema der diesjährigen österlichen Bußzeit, weil wir in der alt-katholischen Gemeinde Stuttgart das Glück haben, dass eine Frau und ein Mann gern die Taufe empfangen möchten. Auch wenn das inzwischen häufiger vorkommt: Für eine Gemeinde ist es nach wie vor etwas Besonderes. Denn um die Taufe bitten heißt: Jemand hat sich von Gott, von Gottes Wirken an uns Menschen, von Gottes Verheißungen ansprechen lassen. Und das mitten in einer Zeit, die als säkular charakterisiert wird, als profan und kirchenunabhängig. Das ist ein Erlebnis und kann nachdenklich machen. Könnte Gott auch mich mitten in dieser Zeit erreichen? Würde ich heute Ja sagen zu seiner Botschaft? Würde ich darin etwas entdecken, was mein Leben bereichert, ihm vielleicht Sinn gibt?

In den ersten beiden Jahrhunderten der Kirchengeschichte war die Situation für die Christinnen und Christen ähnlich. Sie stellten, gesellschaftlich gesehen, eine Minderheit dar. Und in religiöser Hinsicht mussten sie sich entscheiden – gegen den Götterkult ihrer Zeit, gegen göttliche Ambitionen auch der römischen Kaiser. Sich zum Christentum zu bekehren hatte seinen Preis. Entsprechend war die Taufvorbereitung aufgestellt. Drei Jahre dauerte üblicherweise die erste Phase, in der es darum ging, den christlichen Glauben kennenzulernen und in die christliche Gemeinde hineinzuwachsen. Wer dann weitermachen und sich taufen lassen wollte, musste sich zunächst einer Prüfung unterziehen. Bürgen mussten bezeugen, dass ihr Schützling “ehrenwert gelebt, die Witwen geehrt, die Kranken besucht und alle guten Werke ausgeführt” hat (so eine Anweisung aus dem 3. Jahrhundert). War das der Fall, wurde er oder sie in den Kreis derer aufgenommen, die in der Osternacht getauft werden sollten. Es begann dann eine Intensivzeit der Taufvorbereitung, die in den meisten Fällen in die Wochen vor Ostern fiel. Was wir heute “Österliche Bußzeit” oder “Fastenzeit” nennen, war ursprünglich einmal die Intensivzeit der Taufvorbereitung. Und das merkt man dieser Zeit noch heute an.

Wir werden uns in der alt-katholischen Gemeinde Stuttgart also in den 40 Tagen vor Ostern mit den beiden Taufbewerbern auf den Weg machen und dies zum Anlass nehmen, über unsere eigene Taufe nachzudenken. Am Ende dieses Weges steht für die Taufkandidaten die Taufe und für uns die Taufgedächtnisfeier, in der uns die gleichen Fragen gestellt werden, die auch den Taufkandidaten gestellt werden. Unterwegs werden wir ihre Aufnahme in den Katechumenat (Kurs zur Taufvorbereitung) und einige besondere Gebete für sie miterleben. Beide Kandidaten werden allerdings nicht in der Osternacht, sondern erst an Pfingsten getauft.

Veröffentlicht in Allgemein am 2. März 2019| Kommentare deaktiviert | Autor: Joachim Pfützner