Vor 75 Jahren wurde auch die Katharinenkirche zerstört

Die im Juli 1944 zerstörte Kirche St. Katharina - Ansichten auf einer historischen Postkarte

Die im Juli 1944 zerstörte Kirche St. Katharina – Ansichten auf einer historischen Postkarte

In der Woche 22.-28. Juli, konkret am 25. und 26. Juli, hat sich zum 75. Mal die Zerstörung der Stuttgarter Innenstadt durch massive Bombenangriffe gejährt. Mit betroffen waren auch die damals anglikanische Kirche St. Katharina und die nur wenige Meter entfernte evangelische Leonhardskirche. In der Katharinenkirche fanden während des zweiten Weltkriegs keine anglikanischen Gottesdienste statt, dagegen konnten die alt-katholischen Gottesdienste bis zur Zerstörung im Juli 1944 gefeiert werden. Nach Kriegsende wurden – so wird von Zeugen aus der Nachbarschaft berichtet – in der Kirchenruine Essensportionen an Bedürftige verteilt. Vonseiten der Rechtsträgerin der Katharinenkirche, der Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts (S.P.G.), gab es Bestrebungen, die Ruine für 15.000 DM zu verkaufen. Nach längeren Verhandlungen wurde dann aber mit der Alt-Katholischen Gemeinde ein Vertrag abgeschlossen, der dieser für den beabsichtigten Wiederaufbau die Ruine sowie die Bebauungs- und Nutzungsrechte kostenlos überträgt; eine finanzielle Beihilfe für den Wiederaufbau wurde darin ausdrücklich ausgeschlossen. Dagegen wurde in dem Vertrag das Mitbenutzungsrecht für die anglikanische Gemeinde niedergelegt.

Der alt-katholische Dekan und damalige Pfarrer der Stuttgarter Gemeinde, Fritz Herrmann, hat den Wiederaufbau ausschließlich mit der Opferbereitschaft der Alt-Katholischen Gemeinde und einem kleinen Zuschuss von 10.000 DM des Landes Baden-Württemberg bewerkstelligt. Beim Wiederaufbau konnten Teile der alten Kirche, besonders die Leibungen der Eingangstüre, des Rosettenfensters darüber, der Fenster neben der Türe und im Chor verwendet werden. Ebenso wurde die Steinplakette von St. Christophorus an der östlichen Außenmauer und eine englische Inschrift an einer Innenwand wieder angebracht. Die Kirche wurde am 26. Mai 1957 vom damaligen alt-katholischen Bischof geweiht.

Veröffentlicht in Allgemein, Startseite am 22. Juli 2019| Kommentare deaktiviert | Autor: Joachim Pfützner