ABC des Gemeindelebens

Wort-Gottes-Feier

EvangeliarAls “Wort-Gottes-Feier” wird ein Gottesdienst bezeichnet, in dem das Wort Gottes, das heißt die Lesungen aus der Heiligen Schrift und eine Auslegung in Form einer Predigt, zentral sind. Schon in vorreformatorischer Zeit hat sich diese Art Gottesdienst zu feiern entwickelt. Sie war im Kirchenvolk beliebt, weil es darin An-Sprache erfuhr und weil es sich durch Lieder und Gesänge beteiligen konnte. Für manche Regionen wurde diese Gottesdienstform nach der Reformation die Normalform des Gottesdienstes.

In den Anfangszeiten des deutschen alt-katholischen Bistums erfuhr die Wort-Gottes-Feier starke Beachtung aufgrund des Priestermangels, der zu dieser Zeit herrschte. Die vierte Bistumssynode 1877 entschied deshalb, es sei „nicht nur zulässig, sondern erwünscht“, dass sich die Gemeinden auch an solchen Sonntagen versammeln, an denen kein Priester bei ihnen sein und die heilige Eucharistie feiern kann. So wurde aus dem Anliegen erfahrbarer kirchlicher Gemeinschaft heraus ein Formular für einen – wie man damals sagte – „Laiengottesdienst“ entworfen, das bis einschließlich zum Gebet- und Gesangbuch von 1965 in Gebrauch war. Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten an einem neuen Gesangbuch wurde 1983 vorab ein neues Formular veröffentlicht, nun „Gemeindegottesdienst ohne Priester“ genannt. Erstmals wird darin auch die Möglichkeit eingeräumt, diesen Gottesdienst mit Kommunionausteilung zu feiern. Wurde bis 1983 erwartet, dass Laien, die diese Wortgottesdienste leiteten, das „mit Genehmigung des Bischofs“ tun, heißt es nun: „Ein solcher Gottesdienst wird von dazu Beauftragten verantwortlich geleitet“. Das Formular „Gemeindegottesdienst ohne Priester“ wurde 2003 als „erste Form“ von insgesamt zwei Wort-Gottes-Feier-Formularen ins Gesangbuch „Eingestimmt“ übernommen.

In unserer Gemeinde sind Wort-Gottes-Feiern immer dann üblich, wenn kein Priester oder keine Priesterin zur Feier der Eucharistie zur Verfügung steht. Da dies äußerst selten vorkommt, haben wir uns entschieden, in diesen Gottesdiensten bewusst keine Kommunion auszuteilen.

Die Wort-Gottes-Feier ist – insbesondere an Sonntagen und bei Trauungen und Partnerschaftssegnungen – ähnlich gestaltet wie der Wortgottesdienst der Eucharistiefeier. Nach Fürbitten und Friedensgruß schließen sich Vaterunser, Dank- und Segensgebet an. Eine besondere Form der Wort-Gottes-Feier ist das Tagzeitengebet, in dem neben einer Schriftlesung auch der Psalmengesang seinen traditionellen Platz hat. Möglich ist deshalb auch, eine sonntägliche Wort-Gottes-Feier in Form eines Morgenlobs zu gestalten.

Veröffentlicht am 26. Juli 2016| Kommentare deaktiviert | Autor: Joachim Pfützner